Mein botanischer Weckruf – Botanisch gegen Naturgefahren

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Mein botanischer Weckruf Teil 3 – Botanisch gegen die Naturgefahren

Gedanken über die Raffinessen und Talente unserer Pflanzen

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Der Mensch als „ultima ratio“? – Mitnichten. Es sind die Pflanzen, die sich durch erstaunliche Wahrnehmungsfähigkeiten und Überlebensstrategien auszeichnen, von denen wir nur lernen können. Es sind auch die Pflanzen, die unser Dasein gewährleisten, ein wenig mehr Demut, Dankbarkeit und vor allem Respekt ihnen gegenüber wäre durchaus angemessen.

  1. Ein trauriger status quo – über die Unfähigkeit, leben zu wollen

Langsam kann man es nicht mehr hören: Unwetter, Hochwasser und Überschwemmungen in weiten Teilen Österreichs, vor allem Kärnten, Tirol und Vorarlberg; Waldbrände sowohl in Österreich als auch in Norddeutschland und Dazu noch die aktuellen Publikation von Studien, demzufolge der tägliche Verlust an Grünflächen alleine in Österreich knapp 14 ha beträgt. 14 ha?

Aber wir brauchen die Pflanzen, wir brauchen die Grünflächen, weil sie Photosynthese können, weil sie uns ernähren und heilen, letztlich auch, weil eben diese Grünflächen auch die Böden stabilisieren, den Wasserhaushalt regeln, als ökologisches Korrektiv wirken.

Aber der „homo ignorantus“ lässt seiner Zerstörungswut, seinem Zorn gegen sich selbst und gegen andere, ihren freien Lauf. Warum nur? Alle wollen leben, nur der Mensch nicht? Völlig abstrus.

Ein Großteil der tagtäglich einfallenden Naturgefahren, eigentlich fast alle, sind anthropogen, also mensch-gemacht. Ob es Hochwasser und Überschwemmungen sind, Dürren und Trockenheiten, Waldbrände und Feuersbrünste, Erosionen und Steinschläge, u.v.m. um Überleben zu wollen, wäre es sinnvoll, Vorkehrungen und Schutzmechanismen zu intiieren und zu etablieren, eben diese Gefahren zu vermeiden. Aber nichts dergleichen passiert. Entweder geht der Irrsinn genauso weiter oder es werden (technische) Methoden und Maßnahmen ergriffen, die die Gefahren eher verschlimmern als diese zu verhindern.

Wahrnehmungsfähigkeiten verfügen, sondern ganz einfach auch „meta-intelligent und über-sinnlich“ sind, wenngleich die Begriffe Intelligenz und Sinnlichkeit nicht wirklich zutreffen.

  1. Botanisch gegen die Naturgefahren

Dabei gäbe es recht einfache und wirkungsvolle Ideen und Möglichkeiten, diese Naturgefahren einzudämmen oder gar zu vermeiden. Die einfachste Variante wäre, dass der Mensch einfach dazulernt, Maß hält, respektvoller und demütiger mit der Natur umgeht, seine Gier einbremst – das wäre mit Abstand der allerbeste Natur- und Umweltschutz!

Und da wären noch unsere botanischen Lebenshelfer, die noch immer entweder unterschätzt oder schlichtweg ignoriert werden, dabei entwickeln Pflanzen wahrhaft erstaunliche Überlebensstrategien, von denen wir nur lernen könnten und sie annehmen sollten.

Es gibt botanische Lösungen gegen Hochwasser, auch gegen die Überhitzung in urbanen Räumen haben Pflanzen die richtigen Antworten, zur Prävention von Erosionen und Steinschlägen bieten die Pflanzen ebenso äußerst raffinierte Lösungen an wie auch bei der Prävention von Waldbränden und Feuersbrünsten. Und noch viel mehr. Zu jeder Situation, zu jedem Standort, zu jeder Aufgabenstellung haben die Pflanzen die passenden Lösungen – wir sollten ihnen „zuhören“.

Unsere zukünftigen Aufgaben und Herausforderungen müssen wir „botanisch“ denken und lösen, nicht technisch. Auf die Pflanzen kann ich mich verlassen, auf die Technik und den Menschen weniger. Das ist leider Fakt und ich sehe das auch tagtäglich. Wenn wir überleben wollen, sollten wir vor alle die eigene Gier, die eigene Eitelkeit und unseren Egoismus über Bord werfen, anders geht’s nicht!

  1. Pflanzen „lernen“ – wir auch?

Pflanzen können sich erinnern, sie beobachten und nehmen wahr, natürlich auch uns. Konkret bedeutet dies: Pflanzen haben nicht nur Empfindungen, sie wissen ganz genau, was in ihrer Umwelt so passiert und übersetzen diese Reize in Informationen, die für ihr Überleben wichtig sind. Gleichzeitig zeigen Pflanzen, dass Erinnern und Lernen ohne Gehirn und ohne Nerven, wie wir es kennen, tatsächlich möglich ist. Und zwar für die komplette Pflanze, also jeder Teil der Pflanze hat den gleichen Wissenstand. Wir haben allen Grund zur Demut.

In Ergänzung zum ersten und zweiten botanischen Weckruf möchte ich dieses Mal über ein paar Beispiele sprechen, wie botanische Lösungen gegen Naturgefahren aussehen könnten.

Ihr seid alle eingeladen, mich weiterhin auf meiner botanischen Reise zu begleiten, denn die Welt der Pflanzen ist viel zu spannend, zu vielfältig, um sie mit einem „Stop“ erklären zu können. Das möchte ich auch nicht, wäre auch den Pflanzen gegenüber fair und gemessen.

Botanisch gegen Erosionen und Steinschläge

Botanisch gegen Erosionen und Steinschläge – ein Liebesgruß an unsere „botanischen Sanitäter“!!!

Ein paar botanischen Raffinessen

Die Gefahren und Risiken von Erosionen und Steinschlägen nehmen weiterhin weltweit zu, die Verluste an Vegetationsflächen tragen nicht zur Vermeidung dieser ökologischen Entwicklung bei – im Gegenteil: die Gefahren und Risiken werden eher gefördert.

Besonders in alpinen Räumen, an exponierten Hochlagen sind die Landschaftsräume und Naturflächen viel intensiver und direkter, fast ungefiltert, der Strahlungsintensität, den „Wetterlaunen“ und vielen anderen exogenen Umweltfaktoren ausgesetzt als in tieferen Ebenen. Dazu noch die topgraphische Situation, das aufregende Zusammenspiel zwischen Schwerkraft und Hanglagen, die den Aspekt von Böschungssicherung, Hangbegrünung in den Vordergrund ökologisch sinnvoller Präventivmaßnahmen schiebt.

Ähnlich den ökologischen Schwierigkeiten wie Dürren, Hochwasser, Waldbränden und Feuersbrünsten u.v.m., mit denen wir Menschen in Zukunft noch heftiger konfrontiert werden wie bisher, verhält es sich auch mit Erosionen, Steinschlägen und Muren – auch diesen ökologischen Herausforderungen sollten wir uns „botanisch“ stellen, denn technische Methoden und Lösungen wirken einfach nicht. Zudem sind sie zu kurzsichtig angedacht und alles andere als „nachhaltig“.

Wieder einmal mein Vorschlag, mein Aufruf, auf die Pflanzen zu achten, auf sie zu hören, denn es gibt durchaus raffinierte Pflanzen, die sehr wohl mit den zuweilen extremen klimatischen Rahmenbedingungen zurechtkommen, die sich perfekt an ihre Umwelt in alpinen Höhenlagen angepasst haben. Wir sollten nur hinschauen.

Die Vielfalt und die erstaunlichen Fähigkeiten zahlreicher Pflanzen helfen auch hier, Hänge und Böschungen in alpinen Höhenlagen zu stabilisieren, Erosionen zu vermeiden, gleichzeitig trägt jede einzelne Pflanze zur Regulierung des Wasserhaushalts und zur Kühlung im Sommer bei.

Abschließend wieder in eigener Sache: Am 18. August 2020, 20 Uhr, gibt es wieder ein Radio-Interview auf Radio OkiTalk, mit dem Titel: „Botanischer Weckruf Teil 3: Botanische Lösungen gegen Naturgefahren“

Die anstehenden Aufgaben der Zukunft können wir nur botanisch lösen, nicht technisch!!!


(Wie immer: Anmerkungen hier oder via Email: gartenarchitekt44@gmail.com)

Unten seht ihr ein paar Beispiele, welche Pflanzen geradezu perfekt als Erosionsschutz und zur Hangsicherung dienen könnten. Und ja, ich war die letzten Tage ein wenig in den Bergen unterwegs, natürlich auch für mich immer wieder ein Erlebnis in Höhenlagen mit den Pflanzen zu diskutieren, mit ihnen und auch mit der Natur die Fragen der Zukunft zu erörtern, sich zu bedanken und sich demütig vor ihnen zu verneigen – das tut übrigens nicht weh!!!

Da haben wir die Bergmispel (Cotononeaster integerrimus Medik.) oder die Mont-Genis-Glockenblume (Campanula cenisia), das Grasnelken-Habichtskraut (Tolpis staticifolia) und das Blattblättrige Hornkraut (Cerastium latifolium) sowie viele andere, die ich nicht genannt habe – Entschuldigung dafür.

Und natürlich einem imposanten Natur-Denkmal, welches mir oft genug zeigt, wie klein ich bin – auch dafür „Danke, merci e grazie“!

Anregungen an gartenarchitekt44@gmail.com

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Botanisch gegen Hochwasser

Botanisch gegen Hochwasser und Staunässe

Wie schon mehrfach erwähnt und immer wieder wie eine botanische Endlos- Schlaufe wiederholend, in der Tat ist es so, dass Pflanzen über erstaunliche Fähigkeiten und Adaptionsmöglichkeiten verfügen, um ihre Art zu erhalten, sich selbst zu versorgen oder zu vermehren, letztlich um einfach zu überleben.

Man/ frau kann es einfach nicht anders: sie sind einfach faszinierend und „clever“, so auch hinsichtlich des Themas Hochwasser oder Staunässe, neben Naturgefahren wie Waldbränden, Erosionen, Erdbeben, Dürren u.v.a. ein weiteres ökologisches Dilemma, welches unser Dasein sowohl in der Gegenwart als auch in Zukunft begleitet und begleiten wird. Umso mehr, weil die „erdachten“ Methoden und Maßnahmen zur Vermeidung und Prävention von Hochwasser und Überschwemmungen auch hier schlichtweg falsche sind. In diesem Fall gilt ebenso, dass wir die zukünftigen Herausforderungen botanisch und nicht technisch begegnen müssen – der „technisierte“ Mensch sollte dies langsam begreifen, wenn er überleben will – ob er will oder nicht.

Gerne „verwöhne“ ich Euch mit ein paar Erklärungen, erstaunliche botanischen Anpassungen:

  • Extreme Luftfeuchtigkeit: Pflanzen, die an Standorten mit extremer Luftfeuchtigkeit vorzufinden sind, nennt man/ frau Hygrophyten, wie zum Beispiel Ruellia portellae ( Ruellie, ein Akanthusgewächs), eine „Zimmerpflanze“. Sie verfügt nicht über einen Austrocknungsschutz (dünne Cuticula, Blatt nicht sklerifiziert, Stomata über die Epidermis emporgehoben, Haare zur Oberflächenvergrößerung). Diese Pflanzen transpirieren nicht, sondern hier erfolgt die Wasserabgabe über Hydathoden (Guttation). 
  • Extreme Bodenfeuchtigkeit: Pflanzen wie Cyperus papyrus (Papyrus), ein Gras, das an dauernd überfluteten Standorten lebt und überlebt; Sumpfpflanzen (Helophyten), finden wir auf Sumpfböden, die aufgrund der geringen Diffusion von Sauerstoff in Wasser meist anaerob sind. Rhizome, Wurzeln und Sprosse sind daher von Aerenchym, einem sog. Luftgewebe durchzogen wie wir an den Mangroven (Rhizophora mangle) beobachten können. Mangroven finden wir an häufig durch Meerwasser überflutete Standorte, sie verfügen über holzige Wurzeln und das Problem der Sauerstoffversorgung, wenn diese Wurzeln im anaeroben Schlamm stecken, lösen sie durch ihre „Atemwurzeln“, erstaunlich oder? Zudem stechen ihre ökophysiologischen Anpassungen an wechselnden Salzgehalt (Meerwasser bei Flut, Aussüßung bei Ebbe) heraus. Sie besitzen auch Stelzwurzeln für eine bessere Verankerung im Brandungsbereich, nur mit Schlamm als Untergrund. Besonders spannend für mich ist die Form der Fortpflanzung, die Viviparie, dabei keimen auf der Mutterpflanze, es entsteht ein massiver Keimling mit langer Keimwurzel und dieser Keimling fällt dann einfach in den Schlamm hinab, das war’s. 
  • Wasserpflanzen (Hydrophyten): Die Hydrophyten lösen die Sauerstoffproblematik wie die Sumpfpflanzen, auch sie verfügen über das Aerenchym in Sprossen und Blättern, sie haben keine Wurzeln oder recht selten, besitzen keine Cuticula, dafür haben sie Blätter mit großer Oberfläche und über diese Blattoberfläche erfolgt die Nährstoffaufnahme. 
  • In Ufernähe (bis zu 3m Wassertiefe) wurzelnde Pflanzen (Helophyten): Auch Schwimmblattpflanzen genannt wie die Familie der Seerosen (Nymphaea alba u.a.) mit Rhizomen, die bis an den Boden reichen können. In den langgestielten Blättern finden wir wieder Aerenchyme im Blattstiel, die Stomata dagegen auf Blattoberseite. Eine Besonderheit, die vielen bekannt sein wird, ohne sie wirklich zu kennen, stellt die Lotusblume (Nelumbo nucifera) dar. Sie ihre erhebt Blätter und Blüten über die Oberfläche, auffallend dabei die Unbenetzbarkeit der Oberfläche, sie reinigt sich quasi von selbst. Dies gelingt dadurch, dass die Blattoberfläche aufgerauht ist mit mikroskopischen Wachskristallen, bedeutet, die Partikel können sich nicht an die Oberfläche binden. Sie werden durch Wasser sofort weggespült. 
  • Sonderfall Schwimmpflanzen: Sie wurzeln nicht im Boden, treiben auf der Oberfläche, somit haben sie nicht die Erschwernis, Energie aufwenden zu müssen, um ans Licht zu kommen. Fantastisch eigentlich. Konkurrieren sehr erfolgreich ums Licht. Beispiele hierfür sind: Salvinia, unbenetzbar, unsinkbar; Pistia stratiotes u.v.a. 

Ich habe exotische Beispiele angeführt, aber so weit müssen wir gar nicht schauen. Einige erstaunliche Überlebenskünstler finden wir direkt vor unsere Haustüre, in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Pflanzen der hiesigen Auwälder können im Wurzelbereich besondere Anpassungen an den wechselnden Wasserstand zeigen. Die Flatterulme wechselt im Alter ihr Wurzelsystem von einer Pfahlwurzel zu einer Herzwurzel, um möglichst viel Boden oberhalb des Grundwasserspiegels zu durchwurzeln. Auf ganzjährig wassergesättigten und nahezu sauerstofffreien Böden mit intervall-mäßigen Hochwassern finden wir die Schwarz-Erle (Alnus glutinosa, die ihre Wurzeln über Atemöffnungen im Stamm mit Sauerstoff versorgt (Aerenchym).

Erlen und Weiden verfügen in ihren Wurzeln über große luftgefüllte Zwischenräume zwischen den Zellen (Interzellularen), in denen der Sauerstoff transportiert wird. Dieser kann oberirdisch über sog. Korkwarzen (Lentizellen) aufgenommen werden und durch Diffusion sowie Thermo-Osmose zu den Wurzeln transportiert werden, ein überaus durchdachtes System. Manche Weiden verbreiten sich bevorzugt über abgebrochene Aststücke, die anlanden und Wurzeln schlagen (z. B. Bruchweide, daher der Name).  Ihr erinnert Euch? Pflanzen als repetitiv-modulare Organismen, die teilbar sind, daher auch „leben“, wenn „Mensch“ meint, sie wären „tot“? Darüber hatte ich Euch schon berichtet. Ebenso ist typisch ist die relativ hohe Wachstumsgeschwindigkeit für Weichholz-Bäume wie die Weide, da der natürliche Fluss ständig die Morphologie des Uferbereiches verändert. Können wir so etwas auch?

Wohlwissend, dass der „homo ignorantus“ weiterhin „ohnmächtig“ die Problematik von zukünftigen Hochwassern und Überschwemmungen entgegentreten wird, weiterhin falsche technische Methoden und Maßnahmen ergreifen wird, wiederhole ich auch hier meine Aufforderungen, die Pflanzen zu Rate zu ziehen. Denn auch in dieser Thematik haben sie die passenden Antworten, also fragt sie.

Denn: “Achtet auf die Pflanzen, denn sie wissen, was sie tun!“ In diesem Sinne bis zum nächsten Mal und wieder freue ich mich über Eure Statements oder Ergänzungen hier oder via Email gartenarchitekt44@gmail.com

Erle pflanzen und pflegen - Mein schöner Garten

Naturschutz heisst Lebensschutz!

Ökologische Probleme können nur ökologisch gelöst werden!

Hier findet Ihr Vorschläge, Lösungsansätze und Ideen zur Vermeidung weiterer ökologischer Probleme bzw. zur Prävention von Naturgefahren – als Beiträge zum aktiven und notwendigen Lebens-/ Natur- und Landschaftsschutz!!!

  • Botanische Prävention von Waldbränden und Feuersbrünsten
  • Ökologischer Erosionsschutz – Bsp. ein „essbarer Erosionsschutz“
  • Lösungen gegen die Überhitzung in Städten
  • Über-sinnliche Pflanzen
  • Pflanzideen gegen Dürren, Trockenheiten, Überschwemmungen u.v.m.
  • Pflanzpläne
  • Ökologisierung an Schulen, Kindergärten und anderen Institutionen
  • und vieles mehr!